Angkor`s Tempel und Siem Reap

Vier Tage Müßiggang in Hoi An liegen hinter uns, jetzt heißt es wieder ein bisschen reisen und gucken. Schon mehrmals wollten wir nach Kambodscha, vor allem zu den Tempelanlagen von Angkor - jetzt klappt es endlich. 


Wir verlassen Vietnam (zunächst) und fliegen am

Abend des 05.03.2017 von Da Nang nach Siem Reap, die Stadt, die ca. 10 km vor den Toren Angkors liegt. Wenn man von Angkor spricht, denken erstmal die meisten an die berühmte Tempelanlage mit den fünf Türmen - Angkor Wat. 


Jedoch erstreckt sich das gesamte Areal, das vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreichs darstellte, auf eine Fläche von mehr als 200 qkm. Hier liegen unzählige Tempelanlagen und Heiligtümer bzw. deren Reste verstreut. Um sich diese anzusehen, kann man sich ein Tages-, Dreitages- oder Wochenticket kaufen und mit Tuktuk, Roller oder Fahrrad zwischen den einzelnen Anlagen in den schattigen Wäldern umher fahren. Angesichts des warmen Klimas und der zum Teil doch weiteren Strecken ziehen wir letzteres jedoch nicht in Betracht.


Wir sind vier Nächte in Siem Reap und entscheiden uns daher für ein Dreitagesticket - Kostenpunkt: 62 $. Blöd für uns, dass dieses bis zum 31.01.2017 noch bei 40 $ lag.  Wir hoffen, dass das Geld dann wenigstens tatsächlich der Erhaltung der Tempel zugute kommt. Überhaupt ist Siem Reap bzw. das Areal um Angkor verhältnismäßig teuer - gemessen am Einkommen der Bevölkerung. Trotzdem haben wir ein tolles, kleines Hotel mit Pool in guter Lage zu einem günstigen Preis erwischt.
Wir starten am nächsten Morgen mit einem über das Hotel gebuchten Tuktuk-Fahrer, der 15 $ für die "kleine Tour" verlangt. Als erstes führt uns der Weg zum Ticketschalter, bevor wir den Haupttempel Angkor Wat ansteuern. 


Alleine die Anlage von Angkor Wat ist riesig, wir müssen erstmal ein gutes Stück laufen, bis wir am Tempel selbst sind - über den Wassergraben, durch die erste Einfassung, dann durch die zweite. 



Der Tempel ist wirklich grandios, der Detailreichtum in jeder Ecke erschlägt einen fast. Aber der erwartete Magic Moment, der mystisch-erhabene Moment, von dem so viele berichten, bleibt bei mir persönlich angesichts der Touristenmassen aus. Dabei wirkt es auf meinen Fotos recht ruhig, der Schein trügt jedoch. Aber gut, das weiß man ja, wenn man an eine Hauptsehenswürdigkeit wie Angkor Wat fährt.











Auf dem Gelände gibt es einige Stände, bei denen man was zu Essen und Trinken kaufen kann.


Wir gehen nach der Besichtigung den weiten Weg zurück zu unserem Tuktukfahrer, der wie gefühlte weitere hunderte Tuktukfahrer ein Nickerchen in der Hängematte, die er hinten eingespannt hat, macht. 


Weiter geht die Fahrt Richtung Angkor Thom, einer Anlage, die mehrere Tempel umfasst und ungefähr viermal so groß ist wie Angkor Wat, aber auch von einem Graben umschlossen. Man kann das Wasser an vier verschiedenen Stellen überqueren, wobei wir uns vom Südtor her nähern. Die zugehörige Brücke ist gesäumt von faszinierenden Steinfiguren.




Das Herzstück Angkor Thoms stellt der Tempel Bayon dar, der von der Ferne wie ein zufälliger Steinhaufen wirkt, tatsächlich jedoch wurden hier 54 Türme errichtet (heute sind es noch 37), an denen teils in allen vier Himmelsrichtungen Gesichter abgebildet sind. Man kann ca. 200 Gesichter entdecken. Und es sind bei weitem nicht so viele Menschen unterwegs wie in Angkor Wat. Wir lieben diesen Tempel, spüren die Magie des Ortes deutlicher als im Haupttempel.







Vor dem Tempel sitzen ein paar Khmer und picknicken. Auch zwei der vielen freilaufenden Affen haben sich eingefunden und verwerten sozusagen die Reste. 


Anschließend laufen wir durch den Wald an den Tempeln Baphuon und Phimeanakas vorbei bis zur Elefantenterrasse und zur Terrasse des Leprakönigs. 



Dort holt uns unser Tuktukfahrer wieder ab, wofür ich sehr dankbar bin. Es ist mittlerweile 35 Grad heiß, ich brauche eine Pause. Daher kehren wir in einem Ausflugsrestaurant ein - das uns vor allem für asiatische Verhältnisse ziemlich teuer erscheint - eine Portion Pommes kostet als Beispiel fast 6 $. Zu einem der zahlreichen Straßenständen wollte uns der Fahrer aber nicht bringen, angeblich sei das Essen hier nicht gut. Die wissen schon, wie man´s macht... Ein wenig unzufrieden, dass wir nicht darauf bestanden haben, die Garküchen am Straßenrand zu probieren, fahren wir weiter durch das Victory Gate.


Gegen 14:30 Uhr wartet ein Highlight, auf das ich mich schon besonders gefreut hatte: Der Tempel Ta Prohm, vom Dschungel verschlungen und in diversen Fernsehproduktionen eingesetzt. Das ist WIRKLICH toll, wenngleich hier natürlich auch wieder mehr Besucher unterwegs sind. Allerdings kann man in der weitläufigen Anlage auch ein ruhiges Fleckchen finden. 









Einige Bereiche des Tempels sind wegen Arbeiten momentan nicht zugänglich. Wenn man nun zwischen den halb vom Dschungel verschlungenen Tempelruinen steht, ist es fast unvorstellbar, dass sich nur in dieser einen Anlage damals um die 12.000 Menschen aufgehalten haben müssen, wobei weitere 80.000 in den Dörfern der unmittelbaren Umgebung gelebt und sich um die Pflege dieses Tempels gekümmert haben müssen.

Nach Ta Prohm ist unser heutiger Ausflug zu Ende, was angesichts der Hitze wirklich gut so ist. Wir legen uns in den kleinen, aber vorhandenen Hotelpool (ein Muss in Siem Reap!). Am nächsten Morgen holt uns der gleiche Tuktukfahrer wieder ab - um 5 Uhr morgens. Wir wollen den Sonnenaufgang über Angkor Wat sehen. Wir und gefühlt Millionen andere Personen - schon auf dem Weg zum Tempel reiht sich ein Tuktuk nach dem anderen auf der Straße aneinander. Und bei Angkor Wat selbst hat der Kampf um einen Platz in der ersten Reihe an einem der beiden kleinen Tümpeln vor dem Bauwerk (die auf Bildern wirken wie riesige Seen) nichts mehr mit Entspannung oder gar Zauber zu tun. 



Leider sehen wir die Sonne durch den Dunst nicht aufgehen, und machen uns auf den Rückweg, bevor das alle anderen auch tun. Erst, als die Sonne höher steigt und wir schon fast am Tuktuk sind, kommt sie hinter dem Dunstschleier raus.



Wir machen es uns auf den gemütlichen Sitzbänken im Fahrzeug bequem und fahren los - bis zum nächsten Ziel liegen 50 km Weg in der herrlich kühlen Morgenluft vor uns. Wir fahren durch aufwachende Dörfer, passieren Kinder auf dem Weg in die Schule und Mönchen auf dem Weg ins Kloster.




Um 08:20 Uhr erreichen wir den Sandsteintempel Banteay Srei. Wir sind die ersten und haben den wunderhübschen Tempel, der im weichen Morgenlicht orange leuchtet, und die schöne umgebende Landschaft für uns. Als wir fertig sind, kommen die ersten großen Busse auf dem Parkplatz zum stehen. 







Danach fahren wir zum Phnom Kulen Nationalpark. Wir wollen zum Kbal Spean, einem Flusslauf, in dessen Steine diverse Bilder und Darstellungen geschlagen wurden. Um dorthin zu gelangen, müssen wir zunächst 40 Minuten bergauf durch den Dschungel wandern. Der Weg ist schön, aber das Ziel selbst ist weniger spektakulär als erwartet, da nun zur Trockenzeit kaum Wasser im Bach ist - und die ebenfalls hier befindlichen Wasserfälle trocken sind. Aber man kann unterwegs auf Lianen schaukeln.



Anschließend machen wir uns auf den weiten Heimweg über die Dörfer und erreichen, nachdem wir uns durch den Nachmittagsverkehr in Siem Reap schlängeln, unser Hotel mit dem heiß ersehnten Pool und Hotelkühlschrank voller kaltem Bier am frühen Nachmittag. 




Unser Fahrer will für den Tag heute 35 $; wir waren ca. 9 Stunden unterwegs, haben aber auch ganz schöne Strecken zurück gelegt.
Trotzdem machen wir am nächsten Tag auf die Suche nach einem Rollerverleih - selbst fahren ist Volker und mir noch immer das allerliebste (er fährt...). Eigentlich haben wir gelesen, dass das hier nicht geht, aber wir finden einen Verleih und nehmen einen Roller für 10 $. Mit diesem haben wir einen großartigen, selbstbestimmten Tag. Zunächst fahren wir zur Silkfarm, von der wir gehört haben, ein wenig außerhalb Siem Reaps. Wir bekommen (kostenlos!) eine sehr anschauliche Führung auf Englisch, die die Entstehung von Seide detailliert darstellt. 






Anschließend fahren wir am großen See West Baray über Sandpisten und Schotterstraßen das Ufer ab. Es ist herrlich hier, keinerlei Touristen, nur Khmer und Kinder, die mit Schwimmwesten baden und plantschen. An einem kleinen Markt kaufen wir uns ein gegrilltes, wenn auch recht dürres Hendl, Reis und eine Kokosnuss, und essen in einem typischen Khmer-Restaurant auf dem Boden sitzend mit obligatorischem Hängematten-Päuschen. Hier ist es richtig authentisch.





Über rote Sandpisten erreichen wir irgendwann eine ordentliche Straße und kommen Richtung Westtor und Angkor Thom - JETZT haben wir unseren Magic Moment. Wir stehen im weichen Nachmittagslicht auf einer traumhaften sandigen Allee, vor uns das Westtor, neben uns der Wassergraben, der hier von der Natur zurück erobert wurde, und sonst niemand. Bis auf einen Fischer. Und zwei fahrradfahrende Händlerinnen. Toll.






Aber langsam pressiert´s. Wir wollen vor Sonnenuntergang auf dem hoch gelegenen Tempel Phnom Bakheng sein und eilen zwischen Scharen chinesischer Besuchergruppen den Hügel hoch. In den Tempel selbst kommen wir nicht rein, da zu Sonnenuntergang nur eine gewissen Anzahl an Personen auf die Plattform dürfen. Aber eigentlich wollen wir eh nur einen Blick von oben auf Angkor Wat werfen, und überholen die (grundlos) empörte Schlange einfach, um auf der anderen Seite des Hügels einen Blick runter zu werfen. 





Müde aber glücklich fahren wir mit dem Roller zurück nach Siem Reap, müssen aber nochmal anhalten, weil auf den Straßen im Wald so viele Affen mit Babies rumspringen. Und unseren Roller besetzen. Mit einer Bestechungs-Banane, die uns freundlicherweise ein anderer Besucher gibt, kriegen wir den Roller wieder ausgelöst.



An diesem letzten Abend gehen wir in den Circus, für den wir zwei Tage vorher über das Hotel Tickets reservieren ließen. Die rein akrobatische Show (also ohne Tiere) ist durchaus sehenswert und behandelt auch die bewegte Geschichte des Landes.


Siem Reap ist, abgesehen von den insgesamt eher hohen Preisen, sowieso ziemlich cool, uns gefällt es sehr gut. Wir haben mit dem Damnak Boutique Hotel einen echt tollen und günstigen Griff getan, und müssen abends nur fünf Minuten zur Pub Street laufen. Ja, die Pub Street. Damit die Touris abends auch gut unterhalten werden, gibt es eine Straße voller Kneipen und Bars - in der zu späterer Stunde lauter mobile Cocktailwägen stehen, bei denen einer lautere Musik spielt als der andere, und ein Cocktail im Plastebecher 2 $ kostet. Sehr amüsant. 



Davon abgesehen findet man Märkte sowie auch abseits der Pubstreet viele Restaurants und Bars, um abends einzukehren. Verrückt ist beispielsweise die eher backpackermäßige X-Bar - auf deren Dachterrasse eine Halfpipe steht.




Uns hat die gemütliche Island Bar gut gefallen, in der jeden Abend (?) der Amerikaner  Kevin Musik macht und dabei ein sehr breites Repertoire vorstellt, bei dem man sich auch Songs wünschen kann. Ein Musikwunsch "kostet" einen Dollar. Mit dem gesammelten Geld geht der Musiker jeden Abend raus und kauft einem Teil der vielen Kindern, die aus sehr armen Verhältnissen stammen, ein warmes Essen. Eine sehr schöne Idee, wie wir finden. Man darf nicht vergessen, dass Kambodscha bei all den Annehmlichkeiten, die für Touristen geboten werden, ein sehr armes Land mit einer äußerst bewegten Vergangenheit ist.

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