Hue und Umgebung

Nachdem wir am Morgen des 11.03.2016 nach einer Nachtzugfahrt in Hue ankommen und warten müssen, bis unser Hotelzimmer endlich beziehbar ist, legen wir uns erstmal ein paar Stunden auf´s Ohr. Die Schlafplätze im Zug waren ausgebucht, so blieb uns nichts anderes übrig, als die 11 Stunden von Ninh Binh aus im Sitzen zurück zu legen.


Bequemer als gedacht zwar, aber nicht bequem genug, um
einen tiefen Schlaf zu finden - vor allem nicht mit einer Größe von über 1,90 m. Am Nachmittag und Abend drehen wir eine erste Runde durch Hue, vom lebhaften Touristenviertel rüber auf die andere Seite des Parfümflusses zur Zitadelle und zur Verbotenen Stadt.



Die Touristen scheinen sich nur tagsüber in diesem Gebiet aufzuhalten. Wir sind die einzigen, die in der Dunkelheit durch die Gassen schlendern, in denen Einheimische wohnen. Dabei haben wir das Gefühl, sehr nett begrüßt zu werden - Kinder rufen uns Hello zu, und eine bierselige Karaoke-Runde älterer Herren winkt uns fröhlich zu sich in die Kneipe. Wir zögern zwar kurz, nehmen das Angebot aber nicht an, da wir uns zunächst einen ersten Überblick verschaffen wollen. Ich fühle mich schon jetzt wohl in Hue.


Wir bleiben drei Nächte, da wir am Tag nach unserer Ankunft einen Ausflug in die DMZ (siehe vorheriger Bericht) machen, und tags darauf genügend Zeit für Sightseeing in Hue und Umgebung haben möchten. Zu diesem Zweck mieten wir einen Roller, den Volker in einer bewundernswerten Ruhe durch den wurligen Morgenverkehr aus der Stadt hinaus manövriert. Wie wir völlig unbeschadet den Kreisverkehr überstehen, ist mir ein Rätsel - und dabei plauscht während (!) der Rollerfahrt auch noch eine Vietnamesin mit uns, die einige Zeit neben uns herfährt. Ein paar Kilometer südlich von Hue, der ehemaligen Kaiserstadt, gibt es einige Kaisergräber zu sehen. Drei von ihnen picken wir uns für einen Besuch heraus und beginnen mit dem Grab von Tu Duc, der von 1847 bis 1883 Kaiser war. In seinem Sommersitz, der gleichzeitig später als Grabstätte diente, verschrieb er sich der Poesie. Er war der vierte Kaiser der Nguyen-Dynastie, von denen es insgesamt 13 in der Zeit von 1802 bis 1945 gab.






Wir genießen die Rollerfahrt, zumal die Straßen außerhalb der Stadt fast leer sind, und wir heute das erste Mal auf unserer Reise die Sonne sehen. Sonne! Endlich! Wir kehren mittags auf ein paar Sommerrollen in einem Ausflugsrestaurant ein.


Am nächsten Kaisergrab, dem von Khai Dinh, spürt man deutlich die französischen Einflüsse, die den Kaiser auf seinem Besuch in Frankreich drei Jahre vor seinem Tod inspirierten. Eine groteske Mischung aus Zuckerbäcker-Barock und chinesischer Ornamentik. Total irre sind die dreidimensionalen Mosaike im Inneren. Khai Dinh war der zwölfte Kaiser der Nguyen-Dynastie, in den Jahren 1916 bis 1925.






Danach besuchen wir das Grab von Minh Mang, welches ebenso wie das von Tu Duc in einem hübschen Park liegt. Minh Mang war von 1820 bis 1841 Kaiser, der zweite der Nguyen-Dynastie.





Da wir noch genug Zeit für die Kaiserstadt in Hue, der eigentlichen Hauptsehenswürdigkeit, haben wollen, machen wir uns auf den Rückweg. Wir queren den Fluss und fahren auf schmalen Straßen durch kleine Dörfer, deren Bewohner, ob jung oder alt, uns grüßen, zuwinken oder mindestens aber anlächeln. Ich glaube sie finden es eher ungewöhnlich, wenn Europäer hier selbst mit dem Roller fahren.

 

Die Kaiserstadt in Hue erreichen wir kurz nach 15:00 Uhr. Die Zitadelle wurde von den Ngyuen-Herrschern quadratisch angelegt und von einem Kanal umschlossen. Sie wird über das Mittagstor betreten, dem der Flaggenturm gegenüber (außerhalb der Zitadelle) steht.



Im Zentrum der Kaiserstadt befindet sich die Verbotene Purpurne Stadt, die der Verbotenen Stadt in Peking nachempfunden wurde. Dieser Bereich war ausschließlich dem Kaiser und seinem Gefolge vorbehalten.



 
Außerhalb der Verbotenen Stadt, aber innerhalb der Mauern der Zitadelle, befinden sich einige weitere Gebäude, wie Wohnhäuser - zum Beispiel von Familienangehörigen - und Tempel. Viele davon sind leider den Kriegswirren zum Opfer gefallen, andere wurden und werden restauriert. 




Je später es wird, desto weniger ist los und desto schöner wird das Licht. Endlich kann ich ein paar Fotos machen, auf denen der Himmel mal nicht grau ist.











Den Abend lassen wir in einem Straßenrestaurant auf der Seite der Zitadelle und in der hübschen Fußgängerzone entlang des Parfümflusses am anderen Ufer ausklingen. Volker wird mehrmals zum Fotomodell und wir kommen mit einigen Vietnamesen ins Gespräch, die ihr Englisch aufbessern wollen.



Am nächsten Tag wollen wir weiter nach Hoi An, ca. 100 km südlich von Hue. Auf dem Weg liegt der Wolkenpass. Sowohl der Zug als auch Busse nutzen den in den Berg geschlagenen Tunnel, wir jedoch möchten über den Pass drüber fahren. Daher buchen wir in einer kleinen Reiseagentur für 9 $ pro Person eine geführte Minibustour von Hue nach Hoi An. Dass auf dem Weg vier Zwischenstops eingelegt werden, kommt uns gerade recht. Der erste Halt ist eine der vier ältesten Holzbrücken Vietnams, ganz in der Nähe von Hue. Als Zuckerl findet am Fuße der Brücke gerade ein lokaler Markt statt.








Am Strand von Lang Co, kurz vor dem Wolkenpass, machen wir eine weitere Pause. Anschließend schlängelt sich der Minibus über Serpentinen über den Wolkenpass, der seinem Namen an diesem Tag alle Ehre macht - es ist verhangen, die Sicht ist schlecht. Dieser Berg stellt die klimatische Wetterscheide auf dem Weg von Nord nach Süd (oder halt andersherum) dar.



Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt haben wir eine Stunde Zeit, um auf eigene Faust die Marble Mountains, fünf Kalksteinfelsen mit reichem Marmorvorkommen, zwischen Da Nang und Hoi An zu erkunden. Dieses Ziel hatten wir bei unseren Planungen gar nicht auf dem Schirm, finden es aber ganz gut hier - insbesondere die Höhlen und Grotten, in deren Inneren sich zum Teil direkt aus dem Marmor geschlagene Buddha-Statuen befinden.






Am Fuße der Marmorberge essen wir den besten gebratenen Reis auf unserer gesamten Reise, um die letzte Etappe nach Hoi An, dem Ziel für die nächsten Tage, anzutreten.




Hotels:
Die ersten beiden Nächte schlafen wir im sehr günstigen Boutique Hotel Hue, von dessen Zimmerbalkon man einen schönen Blick hat.


Für die dritte, noch nicht vorab gebuchte Nacht fällt die Wahl dann aber auf das Hotel Orchid - eine sehr gute Entscheidung, denn auch hier haben wir wieder das Glück, ein Upgrade zu bekommen, und bewohnen eines der schönsten Zimmer (und das schönste Bad!) auf der ganzen Tour.



Fazit Hue:

Uns gefällt der Ort sehr gut, die Menschen kommen uns hier auffallend freundlich vor. Erwähnenswert ist auch die gute regionale Küche Hues. Wenn man den Tagesausflug in die DMZ macht, kann man hier leicht drei Tage verbringen.

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