Halong Bucht im Nebel - Reisebericht

Die Halong Bay. Eines DER Highlights in Vietnam, bei dem wir uns bei der Anfangsplanung gar nicht sicher sind, ob wir hier überhaupt hin sollen/ wollen. 


Schließlich hört und liest man oft genug, dass die Halong Bucht zwar unglaublich schön, aber auch völlig überlaufen ist und

Touristen hier richtiggehend gemolken werden. Darauf haben wir eigentlich wenig bis gar keine Lust. Da wir aber gerade im Norden sind, wollen wir zumindest einen Ausflug in dieser Region machen - entweder in den Nordwesten nach Sa Pa, oder eben in die Halong Bucht. 
Direkt beim Einchecken im "Golden Charm Hotel Hanoi" werden wir über das umfangreiche Tourenangebot im Norden informiert - etwas ganz übliches, wie wir im Laufe der weiteren Reise feststellen, da jedes Hotel versucht, seine Touren an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Wir entscheiden uns, gleich am nächsten Tag eine Tour mit einer Übernachtung in die Halong Bucht mitzumachen, da der Wetterbericht dort am besten aussieht. Mit 155 $ pro Nase hat der Ausflug einen ordentlichen Preis, aber wir buchen trotzdem. Erstens wird man überall gewarnt, eine zu billige Tour mitzumachen, da dies ggf. im Chaos oder auf sicherheitstechnisch mangelhaften Schiffen enden kann, zweitens haben wir gerade keine Lust, eine Tour auf eigene Faust zu organisieren. Immerhin haben wir jetzt ein vier-Sterne-Schiff und sind angeblich etwas abseits des größten Touristenstroms.


Am Montag, den 07.03.2016, steht pünklichst um 08:00 Uhr ein Minibus vor unserem Hotel und bringt uns nach dem Pickup sechs weiterer Gäste durch das morgendliche Rush Hour-Chaos raus aus der Stadt. Wir sind nur mit den kleinen Rucksäcken unterwegs, die großen lassen wir im Hotel. Schön, mit so leichtem Gepäck zu reisen. Wir haben einen netten Guide, der uns auf der ca. vierstündigen Fahrt ein paar interessante Dinge über Vietnam, die Menschen und die Geschichte erzählt. Unterwegs halten wir - wie sehr viele andere Busse auf ihrem Weg Richtung Halong Bucht - an einem riesigen Shop, in dem Agent Orange-Opfer Souvenirs und Snacks verkaufen und zum Teil riesige Marmorskulpturen erschaffen.



Nach 25 Minuten, in denen einen wider Erwarten niemand drängt, etwas zu kaufen, geht es weiter. Der Highway ist voll mit Bussen, die sich gegenseitig wie die Bekloppten überholen, und dabei doch alle das gleiche Ziel haben. Aber während an einer Stelle kurz vor der Halong Bucht fast alle Busse rechts abbiegen, fahren wir ein Stück weiter nach Ha Long und gehen an einer Stelle ins Wasser, an der zwar auch noch einige Touristen auf verschiedene Boote verteilt werden, aber längst nicht so viele, wie erwartet. Wir sind jetzt leicht östlich der Halong Bucht, eher schon in der benachbarten Bai Tu Halong Bucht. Wir werden mit frischem Zimt-Zitronengras-Tee an Deck begrüßt. Gute Idee, gleich für zu Hause merken. Volker und ich haben Glück und bekommen das nächste Upgrade - wir ergattern eines der vier Zimmer auf dem oberen Deck, mit eigenem Balkon (Tip: schon beim Tourbuchen danach fragen!). Das Schiff der Gesellschaft "Garden Bay" ist toll.

 

Wir sind ca. 20 Personen und lernen uns beim Tee und der neugierigen Erkundung des Schiffs schonmal ein bisschen kennen - es sind wirklich ein paar nette Menschen dabei, mit denen wir uns die nächsten Stunden sehr gut unterhalten. Ich bin in bester Stimmung, nur das neblig nassgraue Wetter verhindert leider die Nutzung des Sonnendecks. 
Nach einem sehr feinen Mittagessen mit vielen verschiedenen vietnamesischen Gerichten fahren wir mit einem kleineren Boot zu einem Fischerdorf, wo wir auf ein paar andere Touristengruppen treffen und in noch kleinere Bambusboote umgeladen werden. Dieser Ausflug ist ganz nett, ich kann aber nicht sagen, ob dies hier noch ein reales, authentisches Fischerdorf ist, oder ob es nur noch für die Touristen "betrieben" wird. Trotzdem, ich liebe Bootfahren und fühle mich daher trotz Nieselregen wohl. Die Landschaft ist tatsächlich atemberaubend.







Abends gibt es an Deck ein wunderbares Grillbuffet mit allem, was das Herz begehrt, und sehr leckerem Kokosschnaps. Der Ort, an dem unser Schiff die Nacht über vor Anker liegt, ist gut gewählt - sehr ruhig, eigentlich sind wir nur von ein paar Fischerbooten und zwei, drei weiteren Tourenschiffen umgeben.




Der nächste Morgen beginnt schon um 6:00 Uhr am Oberdeck mit einer Runde Thai Chi. Eigentlich gehe ich nur hoch, weil ich auf einen Sonnenaufgang hoffe - vergeblich allerdings. Es ist wolkig, wenngleich auch nicht mehr so neblig - erstmal. 

 
Die anderen entdecken mich und ich muss die sportliche Einheit mitmachen. Die Bewegung an der frischen Luft mit dem tollen Blick tut jedoch erstaunlich gut. Zu Hause stehe ich vor 8:30 Uhr gar nicht erst auf. Ziemlich überrascht bin ich, als auch Volker die Treppen hochkommt und ebenfalls beim Thai Chi mitmacht. Das folgende Frühstück haben wir uns verdient... Am Morgen steht der Besuch einer "amazing" Tropfsteinhöhle auf dem Programm. Dafür fahren wir wieder mit dem kleinen Boot auf eine Insel, auf der wir nicht länger die einzigen Menschen sind. Hier ist es wieder deutlich touristischer, und die Höhle ist für das, was Volker und ich an Höhlen bereits gesehen haben, klein und eher enttäuschend.


Schön ist jedoch, die Bucht mal von einem leicht erhöhtem Standpunkt zu sehen.




Danach geht´s zurück auf´s Schiff, wir müssen schon um 9:15 Uhr auschecken, da mittags die nächste Gruppe erwartet wird. So sitzen wir nun alle im Gemeinschaftsraum, während das Schiff zurück fährt, und werden von der Crew mit Gemüseschnitzereien bei der Stange gehalten, bis es um 11:00 Uhr ein wieder sehr schmackhaftes, mehrgängiges Mittagessen gibt. Der Nebel verdichtet sich erneut zusehends.





Es wird allen eine gute Weiterreise gewünscht, als wir gegen 12:30 Uhr wieder festen Boden unter den Füßen haben. Neun von uns werden gemeinsam in einem alten Linienbus zurück nach Hanoi gebracht. Da wir die einzigen Fahrgäste in diesem Bus sind und uns nun alle kennen, breiten wir uns entsprechend aus und unterhalten uns - so vergeht die Zeit wie im Fluge, bis wir um 17:00 Uhr wieder im lauten, bunten, vollen, quietschenden Hanoi (siehe vorheriger Eintrag) ausgespuckt werden. 

Fazit Halong Bucht:

Volker findet, dass der Preis von 155 $ zu teuer für das angebotene Programm ist. Da muss ich ihm recht geben, insbesondere die Ausflüge in die Höhle und ins Fischerdorf sind jetzt nicht sooooo spektakulär. Und es muss einem halt klar sein, dass die zwei-Tages-Tour tatsächlich nur knappe 24 Stunden in der Bucht selbst beinhaltet. Dennoch ist es mir den Preis wert: Das Schiff ist wirklich toll, das Essen reichlich und sehr gut, die Crew total nett. Von der wundervollen Natur ganz zu schweigen, die aus dem Wasser ragenden Felsen sind wirklich beeindruckend. Bootfahren liebe ich sowieso. Und ich finde es auch sehr angenehm, direkt im Hotel abgeholt zu werden. Das Wetter? Mei. Könnte besser sein, aber das kann man mit Geld ja eh nicht kaufen. Vielleicht finde ich die Halong Bucht im Nebel sogar wesentlich mystischer und verwunschener, als bei blauem Himmel und Sonnenschein? So oder so hätte ich mich geärgert, wenn ich nicht dort gewesen wäre...

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